06.01.2010 - Arbeitsmarkt blieb zum Jahresende robust

Zum Jahresende erhöhte sich die Arbeitslosenzahl in NRW nur marginal

Im vergangenen Jahr verhinderte die Kurzarbeit einen stärkeren Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die Arbeitskräftenachfrage brach ein. Verlierer des vergangenen Jahres waren Männer und Jugendliche. Für 2010 bleibt abzuwarten, in wieweit Unternehmen die Unterauslastung weiter durch Kurzarbeit auffangen können.

Zum Jahresende veränderte sich die Arbeitslosigkeit in NRW kaum: 779.870 Menschen waren landesweit betroffen, lediglich 0,3 Prozent oder 2.280 mehr als im November. Nur im November war die Arbeitslosigkeit im Jahr 2009 niedriger. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich leicht auf 8,7 Prozent. Auch hier gab es nur im November eine geringere Quote von 8,6 Prozent. Im Dezember des Vorjahres lag sie noch bei 8,1 Prozent.

„Die moderate Entwicklung zum Jahresende darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem Arbeitsmarkt ein schwieriges Jahr 2010 bevorsteht“, so Christiane Schönefeld, Leiterin der NRW-Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise wirkte sich am Arbeitsmarkt auch im Dezember vorwiegend auf männliche Arbeitskräfte aus. Grund für die stärkere Betroffenheit der Männer von Arbeitslosigkeit ist, dass sie häufiger als Frauen im produzierenden Gewerbe tätig sind. Hier kommt die Unterauslastung als erstes an.

431.190 Männer waren im Dezember arbeitslos, 13,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

Überproportional betroffen waren unter anderem Iserlohn (43,3 %), Ahlen (39,7 %), Siegen (36,3 %) und Soest (29,5 %).

Bei den Frauen veränderte sich die Arbeitslosigkeit insgesamt marginal. Mit 1,1 Prozent
mehr als im Vorjahr waren im Dezember 2009 348.680 Frauen arbeitslos. Wie auch bei den Männern, war der Anstieg unter anderem in Südwestfalen (Iserlohn +16,9 %, Siegen +14,1 %) und in Ahlen (+15,1 %) höher.

Im Dezember entlasteten die Agenturen für Arbeit den Arbeitsmarkt durch Trainingsmaßnahmen, Eignungsfeststellungen und andere Maßnahmen der Aktivierung und beruflichen Eingliederung um 70.650 Teilnehmer, 2.405 mehr als im November. Gegenüber dem Vorjahr wurde der Arbeitsmarkt um rund 55.6001 entlastet.

Rückblick 2009
802.420 Menschen waren 2009 im bevölkerungsreichsten Bundesland durchschnittlich arbeitslos, 5,6 Prozent mehr als im Vorjahr. In 2008 waren es 759.600.

Damit lag die Entwicklung unter der Prognose der Regionaldirektion NRW von 810.000 für 2009.

Dass sich der NRW-Arbeitsmarkt im Jahr der Wirtschafts- und Finanzkrise robust zeigte, begründet Schönefeld mit den „erweiterten Möglichkeiten der Kurzarbeit. Zur Jahresmitte waren 318.600 Beschäftigte in 14.500 Betrieben betroffen.“

Zwar wirkte sich der Rückgang der Kurzarbeit auf 236.000 zum Ende des dritten Quartals nicht negativ am Arbeitsmarkt aus, Entwarnung geben kann Schönefeld aber nicht: „Wenn die Auslastung der Betriebe nicht absehbar steigt, werden sie ihr Personal nicht unbegrenzt durch Kurzarbeit halten können“.

Im Laufe des Jahres 2009 meldeten sich 1.843.880 Menschen erstmals oder erneut arbeitslos, 12,4 Prozent mehr als in 2008. Im gleichen Zeitraum beendeten 1.778.070 ihre Arbeitslosigkeit, knapp ein Drittel davon ging in Erwerbstätigkeit.

Jugendliche waren von Arbeitslosigkeit in 2009 stärker betroffen als im Vorjahr. Während sie durchschnittlich um 5,6 Prozent anstieg, erhöhte sich die Arbeitslosigkeit junger Menschen unter 25 Jahren um 16,1 Prozent auf 85.200. „Die Wirtschaftkrise wirkt sich deutlich bei Jüngeren aus. Sie, die eigentlichen Fachkräfte von morgen, haben Schwierigkeiten beim Übergang von der Ausbildung in eine feste Anstellung oder bei der Suche nach einer Lehrstelle. Ich bin mir sicher, dass Unternehmen in Zukunft noch deutlicher erkennen werden, dass sie auf das Potenzial der jungen Fachkräfte nicht verzichten können“, so Schönefeld.

Verlierer des vergangenen Jahres sind männliche Arbeitskräfte, die durch ihre Tätigkeit im produzierenden Gewerbe früh die Unterauslastung der Unternehmen spüren.

In 2009 waren durchschnittlich 439.400 Männer und 363.020 Frauen arbeitslos. Während die Arbeitslosigkeit der Frauen leicht um 1,6 Prozent sank, stieg die der Männer um 12,5 Prozent an.

Im Versicherungsbereich Arbeitslosengeld I (Betreuung durch die Arbeitsagenturen) wird deutlich, dass die Krise bei den Beschäftigten zunehmend stärker ankommt.

244.010 Arbeitslose bekamen in 2009 Arbeitslosengeld I, das ist ein Viertel mehr als im Vorjahr. Im Bereich der Grundsicherung (Arbeitslosengeld II) ist eine Steigerung der Arbeitslosigkeit durch die Krise noch nicht angekommen (558.410 Arbeitslose / -1 Prozent im Vgl. zum Vorjahr). Hier werden die Auswirkungen zeitversetzt im Jahr 2010 erwartet.

Während in NRW die Unterauslastung zahlreicher Unternehmen durch Kurzarbeit ausgeglichen wird, ist auch der Bedarf an Arbeitskräften gesunken. Im Jahr 2009 meldeten Arbeitgeber weniger Stellen als in den vergangenen drei Jahren. 424.580, davon 334.170 ungeförderte Stellen, gingen bei den NRW-Arbeitsagenturen ein. Im Vorjahr waren es noch 506.560, 81.980 mehr.

Auch die Beschäftigung sank im Oktober.
Mit 5.856.000 waren in NRW 72.670 Menschen weniger beschäftigt als im Vorjahr. Zum sechsten Mal in Folge sank die Beschäftigung damit im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Ausblick 2010
Für das Jahr 2010 wird ein Anstieg der Arbeitslosigkeit auf durchschnittlich 880.000 erwartet. NRW ist Hochrisikoland und geht mit einer schweren Hypothek ins Jahr 2010. Mit einem überdurchschnittlich hohen Niveau der Arbeitslosigkeit ging das Land in den Aufschwung (2006 bis 2008), von dem es unterproportional profitierte.

Aufgrund der Wirtschaftsstruktur ist das bevölkerungsreichste Bundesland von der Krise außergewöhnlich stark betroffen. Besonders problematisch ist der hohe Anteil von Beschäftigten im Metallbereich und im Maschinenbau. Fast jeder Zehnte (9,5 %) ist NRW-weit in diesen Branchen beschäftigt.

Die Regionaldirektion NRW erwartet eine weiterhin schwache Arbeitskräftenachfrage.

Zunächst werden Unternehmen Auftragsspitzen durch den Ausgleich negativer Arbeitszeitkonten ihrer Beschäftigten kompensieren. In einem zweiten Schritt decken Zeitarbeitsunternehmen zusätzlichen Personalbedarf.

Der steigende Fachkräftebedarf bleibt erhalten. Durch frühzeitige Berufsorientierung werden die Arbeitsagenturen das Potenzial an Fachkräften erschließen. Zur Berufsvorbereitung und Stabilisierung von Ausbildungsverhältnissen stehen in 2010 330 Millionen Euro zur Verfügung.


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